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Geschenktipp I: 007-Original-Tool "Mann im Ohr" jetzt für alle erhältlich

Von Redaktion | 30. November 2009

Man hat sich im Straßenbild schon lange an sie gewöhnt.

Menschen, die ohne Begleitung mit keinem anderen Gegenüber als sich selbst heftig gestikulierend, lachend, weinend, schimpfend, auf jeden Fall aber lauthals plappernd ihres Weges gehen. Die reflexartige Versuchung auf das Gesagte einzugehen, weil es so persönlich klingt, dass man sich nur angesprochen fühlen kann, habe ich mir fast gänzlich abgewöhnt. Auch wende ich mich kaum mehr mit jener Beschämung ab, die den Menschen meist befällt, wenn ihm psychische Krankheiten offen begegnen. Oh Gott, ein Verrückter, wie peinlich und nichts wie weg.

Tatsächlich ist in den letzten Jahren nicht die Zahl der Verrückten, die stets laut vor sich hinschimpfen, sprunghaft und beunruhigend gestiegen, sondern die Zahl der Viel- und Überall-Telefonierer/innen. Menschen mit Telefonier-Tic waren bisher wenigstens auf den zweiten Blick, der auf die Ohren zielte, durch den Bluetooth-Bügel am Ohr erkennbar und damit von anderen auffälligen Lautrednern ohne Gegenüber leicht zu unterscheiden.

Jetzt gerät auch diese neue Ordnung der Wahrnehmung durcheinander. Der Digitale Lifestyle Blog gizmodo.com stellt heute ein Bluetooth-Headset vor, das im Gehörgang platziert wird und damit unsichtbar ist. So ist nicht mehr erkennbar, ob Menschen mit kommunikativ auffälligem Verhalten ein Problem oder ein Handy haben.

Das Gerät wurde ursprünglich für den Geheimdienst entwickelt und kann jetzt bei dem Shopping-Portal Skymall für schlappe 199 $ erstanden werden. Im Lieferumfang enthalten ist ein Magnet, mit dem das Headset wieder aus dem Gehörgang gezogen werden kann. Wahrscheinlich wird auch eine SOS-Nummer für den Fall des Magnetverlusts mit geliefert.

Wer jetzt bestellt, bekommt die Lieferung wahrscheinlich noch rechtzeitig zum Fest.

P.S. Weil mir das Wort "Tic" gerade seltsam vorkam, habe ich es gegooglet: Menschen mit Tics, die sich nicht durch sichtbare oder unsichtbare Headsets erklären lassen, leiden an dem Tourette Syndrom. Es wird geschätzt, dass es in Deutschland ungefähr 40.000 Tic-Betroffene gibt und unter www.tourette.de gibt es Erklärungen, Fakten, Wissens- und vor allem Lesenswertes. Ich bin beeindruckt.

Topics: Social Media, Netzkultur & Web-Allerlei, Technik & Software-Tipps | Kein Kommentar »

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