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Software-Patente – Saatgut im WWW

Von Redaktion | 8. Oktober 2009

"Open Source Software ist Software, die schlechter funktioniert als kostenpflichtige Software, die dafür aber nichts kostet" – so in etwas ließe sich die gefühlte Definition beschreiben, unter viele Computer-Nutzer/innen den Begriff Open Source Software abgespeichert haben.

Das Problem der patentierten und proprietären Software ist allerdings umfassender und die Inhaber von Software Patenten sind nicht selten mit den Firmen vergleichbar, die Patentrechte für das Saatgut bestimmter Pflanzen halten (siehe auch Linda und das Gnu – warum Open Source Software wichtig ist). Nun zeigt ein neuer Fall, die Klage der Firma Eolas, die gegen 24 große US-Konzerne, darunter Adobe, PepsiCola, Amazon und Google, welch absurde Konsequenzen Software-Patente haben können. Eolas hat bereits in den 90er Jahren das Patent für Funktionen zugesprochen bekommen, die innerhalb einer Website per Link ein anderes Programm (den Adobe Reader, iTunes, Flash Player oder ähnliche) aufrufen (Artikel aus Spiegel Online). Ein Prinzip, das heute in fast jeder Website zu finden ist. Bekommt das Unternehmen Recht, müssten in Zukunft eigentlich alle Website-Betreiber eine Art Grundgebühr an Eolas abführen. Im Ausmaß wäre das mit der Zwangsabgabe vergleichbar, die beim Erstellen von Kopien (bzw. beim Kauf eines Kopiergerätes) an die VG Wort geht und dann den Autor/innen nach einem bestimmten Schlüssel ausgezahlt wird.

Die Frage, was geistiges Eigentum von Einzelpersonen oder Unternehmen sein kann und was letztlich Allgemeingut ist und daher nicht lizenzpflichtig sein kann und was berechtigter Anspruch auf Bezahlung von Urheberschaft ist, wird an Brisanz zunehmen. Schließlich profitiert Web2.0 ganau davon, dass freie Software verwendet wird und die Kosten für Lizenzgebühren damit in Grenzen gehalten werden können. Hätte Microsoft (oder Apple oder Adobe oder oder oder) Web2.0 entwickelt, würde es heute als Massenphänomen nicht existieren. Man stelle sich nur einmal vor, eine ordentliche Blogsoftware sei so teuer wie Adobe Indesign oder ein Wiki kostete so viel wie Photoshop und ein Facebook-Profil so viel wie ein MS Office Paket…

Topics: OpenSource, Technik & Software-Tipps | Kein Kommentar »

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