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Science 2.0: Researchgate.net, Social Network für Wissenschaftler

Von Redaktion | 24. März 2009

 Wie bei vielen technischen Neuentwicklungen, war das Internet zuallererst eine Erfindung, die im militärischen Bereich Anwendung fand. Ziel war es, für den Ernstfall ein dezentrales Kommunikationsnetz zu schaffen, das somit unanfällig gegen gezielte Angriffe sein sollte.

Der nächste Anwendungsbereich war die Wissenschaft. Das Internet ermöglichte schon in seinen frühesten Formen in den 80er Jahren, als das grafische World Wide Web noch gar nicht erfunden war, den schnellen und dezentralen Austausch von Texten, Tabellen, Forschungsergebnissen und wissenschaftlichen Daten. In den 90er Jahren wurde das Medium durch Mailinglisten und Foren vor allem auch von politischen  Gruppen genutzt. Oppositionellen Gruppierungen aus wenig demokratischen Staaten konnten Informationen, die im Land nicht veröffentlicht werden konnten, über Mailinglisten und Foren weltweit verbreiten. Menschenrechtsgruppen, Globalisierungskritiker/innen, Umweltinitiativen  und andere politische Bewegungen waren die ersten, die das Internet jenseits von Militär und Wissenschaft zur weltweiten Kommunikation nutzten. In gewisser Weise waren politische Gruppen und Universitäten, deren Internet-Nutzung vor allem auf Vernetzung, Austausch und dezentrale Kommunikation zielte, schon in den 90er-Jahren "Web 2.0".

Dennoch bieten die technischen Vernetzungswerkzeuge und datenbankgestützten Kommunikationsplattformen des modernen Webs für Wissenschaftlerinnen natürlich enorme neue Möglichkeiten der Recherche, der weltweiten Zusammenarbeit mit Kolleg/innen die an ähnlichen Projekten arbeiten und der Literatursuche und Verschlagwortung.

Ein Beispiel für eine wissenschaftliche Plattform ist ResearchGate. Seit Mai 2008 haben sich dort insgesamt 30.000 Forscher aus weit über 100 Ländern registriert. Die Website funktioniert wie die meisten sozialen Netzwerke und bietet darüber hinaus wesentliche wissenschaftsspezifische Tools: User können ihre eigene Publikationsliste direkt aus verschiedenen wissenschaftlichen Fachdatenbanken oder der eigenen Bibliographie-Software übernehmen und diese anderen ResearchGate-Usern empfehlen.

 Die Gruppen-Features sind an die Arbeitsweise und Bedürfnisse von Wissenschaftler/innen angepasst. So können auch Termine und Dokumente gemeinsam und mit voller Versionskontrolle verwaltet werden, wobei alle Dokumente entweder offen fproder nur für ausgewählte User zugänglich gemacht werden. Über die Suche können Wissenschaftler/innen gesucht werden, die ähnliche Forschungsschwerpunkte haben, an ähnlichen Projekten arbeiten oder Literaturrecherchen durchgeführt werden, die einige der größten wissenschaftlichen Literaturdatenbanken einschließen.

Eine weitere Site für Wissenschaftler/innen ist http://www.citeulike.org. CiteULike ist ein kostenloses online Literaturverwaltungssystem. Es richtet sich an Wissenschaftler und Forschende, die mit diesem Tool ihre Literaturangaben speichern, verwalten, mit Tags versehen und mit anderen Benutzern teilen können.

Das Prinzip nennt sich Social Tagging, das heißt gemeinsame Verschlagwortung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Ähnlich wie bei Wikipedia können alle User die Verschlagwortung und Bewertung von Artikeln ergänzen, bearbeiten und korrigieren. So entsteht ein riesiger, verschlagworteter und kommentierter Katalog wissenschaftlicher Literatur, bei dem das Wissen vieler Wissenschaftler zusammen getragen und der – im Idealfall – dadurch stets aktuell gehalten wird. Für die Literaturrecherche schon kleinerer wissenschaftlicher Arbeiten vom Referat über die Semesterarbeit bis hin zur Diplom/Magister-Arbeit ist CiteULike eine unentbehrliche Literaturquelle, zumal alle Literaturangaben exportiert und in die eigene Literaturverwaltungssoftware importiert werden können.

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2 Kommentare to “Science 2.0: Researchgate.net, Social Network für Wissenschaftler”

  1. Open Access - noch mehr Science 2.0 | FCZBlog meint:
    27.März 2009 at 11:54

    […] Artikel Open Access – noch mehr Science 2.0Science 2.0: Researchgate.net, Social Network für WissenschaftlerDu bist so hoffnungslos […]

  2. Stefan meint:
    28.März 2009 at 00:50

    Vielen Dank für diesen Artikel. Das Netzwerk war mir nicht bekannt, aber jetzt nutze ich es mit Freude.

    Diese Initiativen sollten gepusht werden.

Kommentare