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    Linda und das Gnu – warum Open Source Software wichtig ist

    Von Redaktion | 18. Februar 2009

    Kennen Sie Linda?
    Linda ist eine festkochende Kartoffel. Zwar hat sie in Deutschland einen Marktanteil von nur ungefähr 1,5%. Unter den Bio-Kartoffeln ist sie aber Marktführerin. Und sie hat eine bewegte Geschichte, die vor fünf Jahren beinahe zu Ende gewesen wäre, weil die Firma EUROPLANT, die den Sortenschutz für Linda besaß, die Kartoffel vom Markt nehmen wollte.
    Wer eine Kartoffel züchtet und als Saatgut verkaufen möchte, muss sie in die Bundessortenliste eintragen lassen. In der Folge hat er für 30 Jahre das Recht, das Saatgut für die Knolle exklusiv zu vertreiben. Danach verfällt der exklusive Sortenschutz und jeder und jede kann nun Saatgut der Kartoffelsorte züchten und vertreiben.

    EUROPLANT hätte also nach 30 Jahren das Vertriebsmonopol verloren und beschloss daher, die Kartoffel vor Ende des Sortenschutzes vom Markt zu nehmen. So hätte kein anderer außer EUROPLANT je mit Linda Geld verdienen können, weil Linda vor der Freigabe vom Markt verschwunden wäre. Und niemand hätte Linda je wieder anbauen dürfen. EUROPLANT hingegen hätte neue Sorten gezüchtet, diese als Saatgut verkauft und wiederum für je 30 Jahre ein Monopol auf die neu kreierte Sorte gehabt.

    Dank eines findigen Kartoffelzüchters und diverser Aktionen von Verbraucherverbänden konnte Linda jedoch für den Verzehr gerettet werden.

    Software- und Saatgut-Lizenzen
    Mit den Lizenzen von Software verhält es sich ganz ähnlich wie mit Linda und den anderen Kartoffeln. Unternehmen, die Software entwickeln, können diese urheberrechtlich schützen lassen. Die Software ist dann ihr geistiges Eigentum und so wie kein anderer Hersteller als EUROPLANT Saatgut der Linda herstellen und vertreiben darf, darf die so geschützte Software nur dann benutzt werden, wenn beim Unternehmen, das sie entwickelt hat, eine Lizenz gekauft wird. Die Käuferin erhält dann zwar die Software zum Gebrauch, aber nicht die dahinter stehende Programmierung. So wird verhindert, dass die Käuferin sich die Software selbst nach ihren Bedürfnissen umprogrammiert oder gar verbessert, d.h. es wird verhindert, dass sie selbst in die Lage kommt Saatgut herzustellen.

    Neben dieser proprietären Software gibt es aber auch freie Software, OpenSource-Software genannt. Sie wird von Unternehmen, an Universitäten oder von Einzelpersonen entwickelt.

    Wenn Sie sich der Monopolisierung auf dem Softwaremarkt verweigern möchten, gelingt Ihnen das also nicht, indem Sie kommerzielle Software schwarz auf den Rechner kopieren. Das ist eine Milchburschenrechnung. Das Monopol wird dadurch eher gefestigt. Der bessere Weg ist die Nutzung von OpenSource-Software. Für die wichtigsten Anwendungsbereiche gibt es durchaus Alternativen, die gleichwertig sind. Die bereits kürzlich erwähnte Bürosoftware OpenOffice.org deckt beispielsweise alles ab, was das Office-Paket von Microsoft mit Word, Excel etc. zu bieten hat. GIMP kann das, was Anna-Normalverbraucherin für die Bildbearbeitung braucht, schon lange. Und es muss nicht immer Windows sein, Linux ist ein durchaus leistungsstarkes Betriebssystem (insbesondere in der Welt der Server).

    Kennen Sie das GNU?

    Ein Gnu ist eine Kuhantilopenart, die glücklicherweise nicht mehr vom Aussterben bedroht ist, im Serengeti-Nationalpark gibt es inzwischen wieder 1,6 Millionen Gnus. Das Gnu ist aber auch das Logo für das GNU-Projekt (General Public Licence) der Free Software Foundation. Sie steht für die Entwicklung eines nicht-proprietären (also so frei wie eine Kartoffelsorte ohne Vermarktungslizenz) Betriebssystems. Heute ist das GNU die Grundlage für das freie Betriebssystem Linux.

    Übrigens heißt OpenSource nicht, dass überhaupt kein Geld verdient werden darf. Nur fängt das Geld -Verdienen bei OpenSource-Software nicht beim Verkauf der Software, sondern sozusagen danach an. Geld verdient wird z.B. mit Schulungen, mit Support, mit Installationen, dem Erstellen von Benutzerhandbüchern, Programmierung von Zusatz-Tools – die dann wieder als OpenSource für alle zur Verfügung gestellt werden. Da so letztlich alle vom OpenSource-Prinzip profitieren, halten sich im Übrigen auch große Konzerne wie Google oder Sun Microsoft Systems an die OpenSource-Regeln.

    Topics: Gut zu wissen, Social Media, Netzkultur & Web-Allerlei, Technik & Software-Tipps | 4 Kommentare »

    4 Kommentare to “Linda und das Gnu – warum Open Source Software wichtig ist”

    1. Ubuntu in der U-Bahn - vom Antilopen-Hasen | FCZBlog meint:
      23.April 2009 at 13:34

      […]  So steht’s bei Wikipedia. Weitere Antilopenarten, haben wir ja kürzlich hier diskutiert – Linda und das Gnu. […]

    2. frau kittinger meint:
      27.Mai 2009 at 13:01

      Linda und das GNU ist ein sehr schöne Erklärung zum Verständnis von Freier Software und den Patent- und Lizenzstrategien von proprietären Softwareprojekten. Aber eben zu Freier Software.
      Weil Freie Software = Open Source Software aber nicht umgekehrt. Open Source Software ist nicht unbegingt Freie Software. Ich denke das ist wichtig zu unterscheiden.
      http://de.wikipedia.org/wiki/GNU-Lizenz_f%C3%BCr_freie_Dokumentation
      http://de.wikipedia.org/wiki/Free_Software_Foundation
      http://www.fsf.org/

    3. Software-Patente – Saatgut im WWW | FCZBlog meint:
      8.Oktober 2009 at 10:22

      […] Firmen vergleichbar, die Patentrechte für das Saatgut bestimmter Pflanzen halten (siehe auch Linda und das Gnu – warum Open Source Software wichtig ist). Nun zeigt ein neuer Fall, die Klage der Firma Eolas, die gegen 24 große US-Konzerne, […]

    4. Saatgut ist die Software des Lebens « CommonsBlog meint:
      11.Dezember 2009 at 15:08

      […] zum Thema hier auf dem tazblog, beim farmblogger und auf dem FCZ-Blog; „Linda und das GNU“. Dort heißt […]

    Kommentare