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Web 2.0? Wo ist das und welches Programm brauche ich, damit ich da reinkomme?

Von Redaktion | 11. Dezember 2008

Es ist ungefähr 3 Monate her, dass eine gute Freundin, Journalistin und Publizistin, Spezialistin für Wirtschaft und Umwelt, deren Scharfsinn ich sehr schätze, mir diese Frage stellte. Es gibt, was die Internet-Nutzung anbelangt, einen ungeheuerlichen Digital Generation Divide, der meines Erachtens nach wie vor vernachlässigt wird.

Die gute Freundin ist Anfang 40 und tatsächlich glaube ich, dass sie inzwischen auch ohne meine damalige ausführliche Erklärung wüsste, was Web 2.0 ist, hier hat ja spätestens der Obama-Wahlkampf weltweit Nachhilfe gegeben. Dennoch – die Frage straft angeblich unumstößliche Marketing-Wahrheiten der letzen zwei Jahre Lügen – Web 2.0 geht  an einer Generation, die noch für ein paar Jahrzehnte die Bevölkerungsmehrheit in diesem Land stellen wird, im Wesentlichen vorbei.

Hallo! Hallo, Marketing-Strategen der nächsten Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte! Wir sind nicht drin. Wir sind nicht permanent online, im Büro, auf dem Sofa und mit iPhone von unterwegs. Und wenn wir drin sind, dann nicht lange. So lange, wie wir eben müssen. Vielleicht liegt es ja daran, dass wir viel zu gerne nicht drin, sondern draußen sind, wir sind nämlich die Frischluft-Generation. Wir haben mit gewisser Langsamkeit alle neuen Medien und neuen Geräte in unser Leben integriert, PC, Internet, Handy – aber unsere Nutzungsphilosophie ist extrem pragmatisch. Wenn es praktisch ist, Zeit spart und nicht zu lange dauert, es zu lernen, dann sind wir dabei. Alles weitere – die ganzen Spaß- und Unterhaltungs- und Sozial-Argumente – gehen weitgehend an uns vorbei.

Wir, zahlungskräftige Mitt-Vierziger, werden unsere sozialen Kontakte nicht ins Netz verlagern, sondern – wo immer möglich – den Abend nicht am Rechner, sondern im Restaurant verbringen, einem Social Web eine Flasche Wein immer vorziehen.

Das heißt nicht, dass wir Web 2.0 nicht nutzen, aber es wird anders sein und frei von Hype, wenn es uns nützt, wenn es uns unseren Zielen näher bringt, gut, dann arbeiten wir damit. Aber nicht l’Art pour l’Art. Und diesen Ansatz lassen viele Web 2.0 Angebote noch vermissen. Vielleicht gar nicht immer in der Sache, aber fast immer im Tonfall.

Topics: Social Media, Netzkultur & Web-Allerlei | 4 Kommentare »

4 Kommentare to “Web 2.0? Wo ist das und welches Programm brauche ich, damit ich da reinkomme?”

  1. Birgit meint:
    10.August 2009 at 13:15

    Liebe Silke, mag sein, dass das Web 2.0 schlecht vermarktet wird für unsere Zielgruppe, aber ansonsten muss ich hier ein Bild korrigieren: ich erlebe die Web 2.0 Generation als äußerst aktiv und gesellig im realen Leben. Ich würde sogar fast so weit gehen zu sagen: je aktiver im Netz, desto aktiver im Leben. Bzw. umgekehrt.
    Wo stecken sie nur, die tageslichtscheuen Nerds? – Oder hat sich in den 1 1/2 Jahren seit Erscheinen des Artikels doch vielleicht auch ganz schön was verändert? Ein spannendes Thema ist und bleibt es auf alle Fälle! Grüße aus S., Birgit

  2. frau buttgereit meint:
    10.August 2009 at 15:06

    „Wo stecken sie nur, die tageslichtscheuen Nerds?“ – tja, du weißt es nicht, weil sie sind, was sie sind…
    Gehörst du jetzt etwas auch schon zur Generation der Mittvierziger? Und ich gebe dir insofern auf jeden Fall Recht, die jüngeren Generationen haben Web2.0 einfach ganz selbstverständlich in ihr Sozialleben integriert. Wer viel kommuniziert, kommuniziert auf allen Kanälen, Mauerblümchen sind es on- und offline. Das habe ich seitdem ich diesen Artikel geschrieben habe, tatsächlich dazugelernt.

  3. Birgit meint:
    11.August 2009 at 13:01

    Hier: gefühlte Mitvierziegerin. Denn selbst in meiner (jugendlichen!) Altersklasse von Kurzvorvierzig nimmt die Web 2.0-Aktivität schon ganz rapide ab. I guess I’m a geek girl…

  4. frau buttgereit meint:
    11.August 2009 at 13:34

    Ja bist du. Und ich glaube ja doch, dass es stimmt, was ich schreibe: Die Herangehensweise von Frauen an Internet und Technik ist extrem pragmatisch. Am Anfang steht nicht allgemeines Interesse oder Neugier, sondern irgendeine Freundin, die für eine Weile in den USA ist, beruflicher Zwang etc.

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