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Cherchez la Femme – über Kopfbedeckungen von Frauen im Christentum, Judentum und Islam (und einer persönlichen Anmerkung zu Kleiderordnungen)

Von Katrin Schwahlen | 25. Juni 2017

Covered. Selbstporträt der amerikanischen Künstlerin Anna Shteynshleyger (*1977). Sie lebte einige Jahre in einer orthodoxen jüdischen Gemeinde. Auf dem Bild trägt sie ihre beiden Perücken. Ein Kopftuch kann man auf viele Arten tragen. Cherchez la femme - Ausstellung im Jüdischen Museum in Berlin (c) FCZB 2017 (c) Rechtefreie Veröffentlichung durch das Jüdische MuseumUm Gemeinsamkeiten zwischen jüdischer Perücke, muslimischer Burka und christlicher Ordenstracht geht es in der Ausstellung Cherchez la Femme, die zur Zeit im Jüdischen Museum in Berlin gezeigt wird. Teilnehmerinnen und Mitarbeiterinnen des FCZB waren dort.

Langes Haar ist schön - und verbirgt oft die Persönlichkeit, die dahinter steckt. Exponat der iranischen Künstlerin Mandana Moghaddam (*1962) Ein Kopftuch kann man auf viele Arten tragen. Cherchez la femme - Ausstellung im Jüdischen Museum in Berlin (c) FCZB 2017 (c) FCZB 2017Was haben die jüdische Perücke, die muslimische Burka und die christliche Ordenstracht gemeinsam?

Richtig, alle drei Kleidungsstücke dienen der Verschleierung von Frauen. Kopf und Körper zu verstecken, wird Frauen in vielen Religionen und Kulturen bis heute vorgeschrieben.

Mal sollen Frauen sich verhüllen, um den Mann nicht zu reizen, mal um einem Gott dienen und anderen Vorschriften zu genügen. Unterschiede gibt es höchstens im Grad der Verschleierung.

In der Ausstellung werden viele Aspekte gezeigt: Es geht um religösen Feminismus, traditionelles Judentum, russisch-orthodoxe Verhüllungsbräuche, christliche Trachten oder langes Haar, das nicht nur ein Schönheitsideal in arabischen Ländern ist, sondern ebenfalls der Verhüllung  dient.

Das Thema Verschleierung wird aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt: In Video-Statements sprechen sich Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft leidenschaftlich für oder gegen Kopftuch, Hijab und Niqab aus.

Ein Kopftuch kann man auf viele Arten tragen. Cherchez la femme - Ausstellung im Jüdischen Museum in Berlin (c) FCZB 2017Und immer steht die Frage im Raum, wieviel Schleier eine offene Gesellschaft verträgt.

Nicht nur farblich inspirierend ist es, wenn türkische und arabischeFrauen – in einem anderen Video – zeigen, auf wie viele Arten ein Kopftuch gebunden werden kann.

Mit ihrer Videoperformance Undressing/Soyunma zeigt die  österreichische Künstlerin Nilbar Güres, wie Frauen durch ihre Schleier entpersonalisiert und unsichtbar gemacht werden.

Den Titel haben die Kurator_innen der Ausstellung bewusst gewählt und beziehen sich damit auf eine Redewendung des 19. Jahrhunderts. Angeblich sollen französische Kriminalisten immer dann nach Frauen gesucht haben, wenn es ein besonders intelligentes Verbrechen gegeben hat. Dann hieß es „Cherchez la femme“ – sucht die Frau.

Die Ausstellung Cherchez la Femme läuft noch bis zum 27. August 2017 im Jüdischen Museum. Parallel dazu zeigen Nachwuchs-Designer_innen, Modist_innen, Näher_innen und Schneider_innen aus Willkommens- und Berufsvorbereitungsklassen ihre Interpretationen von Ver- und Enthüllung.

 

Anmerkung der Autorin: Ich bin klar dafür, dass Frauen selbst entscheiden, wann sie was tragen. Das Kopftuch kann für Islamismus und Fundamentalismus stehen, muss aber nicht. Frauen mit Kopftuch können feministisch, liberal, aufgeklärt sein. Muss aber nicht. Frauen ohne Kopftuch können Rassistinnen sein und diesen Staat ablehnen. Man sieht es ihnen nicht an. Vielleicht ordnen sich orthodoxe Jüdinnen einer frauenfeindlichen und antiliberalen Welt- bzw. Religionsordnung unter. Ist aber ihre Entscheidung.

Bei den Katholiken dürfen Frauen mit und ohne Ordenstracht weder Papst noch Priesterin werden (und wenn, dürften sie weder Familie noch Sex  haben. Was ja meist den menschlichen Bedürfnissen widerspricht). Ich bin für Vielfalt und gegen Fundamentalismus – egal welcher Couleur und hinter welcher Kopfbedeckung.

BTW: Nicht nur Religionen stellen seltsame Kleiderordnungen auf, auch der Staat meint, ein Wort mitzureden zu dürfen. Darüber schreibt Ninia LaGrande bei bento.

 

 

 

Topics: Berlin, Bildung & Politik, Gut zu wissen | Kein Kommentar »

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