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Berufsziel Hotellerie – von Übersee an den Kudamm

Von Katrin Schwahlen | 21. Juli 2016

Der Mexikaner Juan Dacosta macht seine Ausbildung zum Restaurantfachmann im Berliner Hotel Palace. Seit September 2015 nimmt er am FCZB-Projekt "Berufsziel Hotellerie - Mentoring für Auszubildende" teil. (c) FCZB e.V. 2016

Er war Barkeeper auf großen Kreuzfahrtschiffen, hat in den USA, Mexiko und Spanien gearbeitet. Jetzt macht der 32-jährige Juan Dacosta eine Ausbildung zum Restaurantfachmann in Berlin und schwört auf das Mentoring-Projekt des FCZB.

Nicht nur wegen seines Alters ist Juan Dacosta ein besonderer Azubi. Als er im September 2014 seine Ausbildung in Deutschland beginnt, blickt er auf mehr als 15 Jahre Berufserfahrung zurück.

Schon während des Studiums zum Cinematografen hat er in Diskotheken, Bars und Restaurants gearbeitet, u.a. in Miami und Barcelona, auf Lanzarote und, Teneriffa, Der junge Mexikaner spricht neben seiner Muttersprache Spanisch auch fließend Englisch, kennt sich bestens aus in der Gastronomie und weiß auch mit schwierigen Gästen umzugehen.

Von der Pike auf

Warum will jemand mit so viel Berufserfahrung noch einmal ganz von vorne anfangen? „Ich will den Beruf richtig lernen“, sagt Dacosta, der gerade sein zweites Lehrjahr im Hotel Palace beendet. Als angehender Restaurantfachmann durchläuft er alle Bereiche des international bekannten und mehrmals ausgezeichneten Berliner Hotels: „Es ist wichtig zu wissen, wie jede Abteilung funktioniert. Zum Beispiel Housekeeping. Wo sind die Toiletten, wie hält man sie sauber? Wie bereitet man ein Restaurantfrühstück vor? Wie laufen Veranstaltungen mit 1.200 Leuten ab?“

Das privat geführte Hotel Palace zwischen Kurfürstendamm und Budapester Straße hat 238 Zimmern, 40 Suiten, 17 Veranstaltungsräume, ein Restaurant, Club Lounge, Bar und Spa.

Einen Teil der Ausbildung absolviert der angehende Restaurantfachmann im "House of Gin" des Palace-Hotels (c) FCZB e.V. 2016

Gimlet, Bombay, Gin Fizz und Co.

Wenn die Blue Hour beginnt, erwacht das House of Gin im Palace Hotel Berlin. Aus den Lautsprechern hinter der verspiegelten Bar klingen jazzige Melodien, in den Ledersesseln werden entspannte Gespräche geführt. Diese besondere Bar im Hotel ist im Sommer 2016 der Arbeitsplatz von Juan Dacosta.

Als ehemaliger Barkeeper ist er hier in seinem Element, mixt gekonnt die gewünschten Cocktails und berät seine Gäste zu diesem außergewöhnlichen Getränk.

Das House of Gin führt über 150 Sorten Gin aus der ganzen Welt. Und man kann sie nicht nur genießen, sondern auch alles über Herkunft, Hersteller und Aromanote in einer handgeschriebenen Karte nachlesen.

Mentoring für Auszubildende

Der Anfang in Berlin sei schwierig gewesen, sagt Juan. „Wenn man als Ausländer hierher kommt, weiß man nichts.“ Als er vor zwei Jahren ankommt, kennt er niemanden, und dass seine Wohnung außerhalb von Berlin liegt, macht die Situation nicht leichter.

Doch dann lernte der junge Mann Fatoş Topaç kennen. Die Sozialpädagogin leitet das FCZB-Projekt „Berufsziel Hotellerie – Mentoring für Auszubildende“ und weiß, worauf es gerade bei jungen Auszubildenden mit Migrationserfahrung ankommt: Unterstützung und Begleitung.

Bald findet sie eine Mentorin, die Juan auch hilft, seine Lehrstelle zu wechseln. „Sie hat mir nach meinem Umzug bei der Anmeldung geholfen. Sie zeigt mir, wie man Behördengänge in Deutschland erledigt, bringt mir kleine Kniffe bei. Aber ich kann auch mit ihr reden, wenn es Problem in der Schule gibt. Wir quatschen nicht einfach nur miteinander, sondern können uns richtig über viele Sachen unterhalten. Ich kann meine Mentorin anrufen und mit ihr reden, wann immer es nötig ist. Ich vertraue ihr sehr.“

Das sei für ihn wichtig – und auch vorbildlich. Denn nach seiner Ausbildung will auch er anderen helfen. „Ich habe so viel Erfahrung, ich spreche drei Sprachen. Da kann ich anderen Auszubildenden viel weitergeben und sie unterstützen. Denn es geht ja nicht nur um die Arbeit, sondern auch um das persönliche Leben.“

Das FrauenComputerZentrumBerlin e.V. (FCZB) setzt das Mentoring-Projekt Berufsziel Hotellerie nach einer zweijährigen Pilotphase seit 2015 in erweiterter Form fort. Ziel ist es, Auszubildende bei ihrem Berufseinstieg zu begleiten und sie bei einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss zu unterstützen. Das FCZB-Projekt ist Teil des Landesprogramms Mentoring vom Berliner Senat für Arbeit, Integration und Frauen.

Das FCZB-Projekt "Berufsziel Hotellerie - Mentoring für Auszubildende" hilft jungen Menschen, ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Es ist Teil des Landesprogramms Mentoring des Berliner Senats für Arbeit, Integration und Frauen (c) FCZB e.V. 2016

Aufgeben ist nicht

Doch es ist noch gar nicht so lange her, dass Juan Dacosta hinschmeißen wollte. „Obwohl ich so viel Berufserfahrung habe, werde ich oft wie ein Berufsanfänger behandelt. Auch wenn ich Azubi bin, weiß ich doch, wie die Dinge funktionieren, wie man sich Gästen gegenüber verhält, und wie man im Team das Berufliche vom Privaten trennt. Mein Supervisor ist 26 Jahre alt, wir haben unterschiedliche Erfahrungen und Erkenntnisse. Vielleicht hat es am Alter gelegen, vielleicht an der unterschiedlichen Mentalität.“ Und dann kam noch Heimweh nach seiner Familie in Mexiko hinzu, zu der er nur telefonischen Kontakt hat – nicht leicht bei sieben Stunden Zeitunterschied.

Geholfen haben ihm in dieser Situation seine Mentorin und ein Arbeitskollege. Nach Gesprächen mit den beiden war klar, dass Juan auch das letzte Drittel seiner Ausbildung erfolgreich hinter sich bringen wird.

Restaurantfachmann/-frau ist ein dreijähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Gastgewerbe. Durch die duale Ausrichtung teilt sich die Ausbildung in einen schulischen und einen beruflichen Bereich. Themen sind u.a. Ernährung, Herkunft und Zubereitung von Nahrungsmitteln, Getränkekunde, Restaurantorganisation, wirtschaftliche Grundlagen, Marketing, Service und natürlich Umgang mit den Gästen.

Teamplayer

Das Hotelteam ist für ihn Familie: „Wir gehen sehr respektvoll miteinander um. „Das ist ganz wichtig, denn nur, wenn wir uns vertrauen, können wir gut miteinander arbeiten und gemeinsam eine Veranstaltung erfolgreich vorbereiten.“

Wer in Gastronomie, Hotellerie und Tourismus tätig ist, kennt die Nachteile: Schichtdienst, Wochenend-, Feiertag- und Nachtarbeit, schlechte Bezahlung. Juan Dacosta macht sich keine Illusionen: „Ja, das macht es schwer, ein Privatleben zu haben und Kontakte zu halten. Aber das ist Gastronomie. Hotellerie. Überall auf der Welt.“ Deswegen wundert es ihn nicht, dass seine Freunde aus derselben Branche kommen.

Juan Dacosta arbeitet drei Wochen am Stück und hat dann eine Woche Blockunterricht. Doch auch wenn sein Leben „arbeiten, arbeiten, arbeiten“ sei, könne er seine freien Tage gut genießen: „Ich lebe dann ganz intensiv und mache das, was andere die ganze Woche über machen.“

Juan Dacosta wird seine Ausbildung zum Restaurantfachmann 2017 abschließen. Als Mentee des FCZB-Projekts "Berufsziel Hotellerie - Mentoring für Auszubildende" wird er in der Zeit unterstützt und begleitet (c) FCZB 2016

Crossover-Gastronom

Juan Dacosta hat einen Blick dafür, wie man Veranstaltungen ins richtige Licht setzt. Das Zusammenspiel von Hell und Dunkel, Farben und Bildern, Stimmungen und Atmosphäre hat er schon im Studium gelernt.

Man müsse wissen, wie jedes einzelne Element funktioniert, wie die Abläufe sind, wie eins auf dem anderen aufbaut. „Dann weiß man, was möglich ist. Man erkennt, wenn etwas nicht stimmt, wenn etwas falsch ist.“

Dieses Wissen, gepaart mit seiner Leidenschaft für Film und Kino, will er auch als Restaurantfachmann umsetzen.

Topics: Arbeitswelt & Weiterbildung, Berufseinstieg | Kein Kommentar »

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