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    Nicht erst loslegen, wenn alles perfekt ist: Social Media als Berufsfeld

    Von Redaktion | 9. Oktober 2014

    Jessica Rathke, Content- und Social-Media-Managerin (c) privat 2014

    Im Herbst 2013 hat Jessica Rathke eine Fortbildung zur Content- und Social-Media-Managerin (CSMM) im FrauenComputerZentrumBerlin (FCZB) erfolgreich abgeschlossen. Karin Windt hat in dem Kurs Online-PR und Onlinemarketing/SEO unterrichtet. Jetzt hat die Dozentin Jessica wiedergetroffen – und sie gefragt, wo sie ein gutes Jahr später beruflich steht.

    Woran arbeitest du heute?

    Ich bin PR-Projektmanagerin bei der PR-Agentur Frische Fische. Mit meinen Aufgaben unterstütze ich zu 50 Prozent die Berater_innen, zu 50 Prozent kümmere ich mich um verschiedene Social-Media-Kanäle von Kunden. Die Kreuzberger Agentur hat etwa 15 Mitarbeitende und neben dem Berliner Standort noch eine Dependance in Dresden. Das ist spannend, weil ich ab und zu mal mit zu den Kollegen dort rüberfahren kann, das bringt Abwechslung. Heute war ich u.a. mit einer Pressemitteilung beschäftigt und damit, sie online einzustellen. Da ich erst zwei Monate hier bin, flutschen die Workflows noch nicht so ganz – aber ich lerne hier viel und schnell.

    Ist Social-Media-Kommunikation seit der Fortbildung eine berufliche Normalität für Dich geworden?

    Klar, Social Media ist inzwischen eine Alltagssache. Aber es ist immer wieder neu und mit jedem Kunden anders, weil jeder was anderes braucht und andere Bedürfnisse hat. Und dann kommen ja auch immer wieder mal neue Dienste, die man sich anschaut. Momentan kursiert bei uns im Mitarbeiterwiki grad Ello als neuer Kanal im Social Web, das muss ich mir mal anschauen und prüfen.

    Welchen Eindruck hast Du von Deiner neuen Arbeitsstelle?

    Es ist eine Agentur mit flachen Hierarchien und großer Flexibilität – ich kann theoretisch auch mal von zu Hause aus arbeiten, und ich habe sehr nette Kolleg_innen. Ich genieße es, dass ich sie jederzeit fragen kann, wenn ich mal Hilfe brauche. Andererseits wird es auch geschätzt, wenn mit mir als neuer Mitarbeiterin frischer Wind hineinkommt. Ich habe ja noch einen ‚fremden‘ Außenblick, so dass mir das ein oder andere im Prozessablauf auffällt.

    Viele der Mitarbeitenden arbeiten schon lange bei Frische Fische. Es gibt auch viele Kolleg_innen mit Kindern, was ich sehr angenehm finde. In meinen früheren Unternehmen hatten höchstens mal die Geschäftsführer Kinder. Das waren dann in der Regel Männer, und die haben trotz ihrer Kinder ständig Ewigkeiten gearbeitet. Bei denen kamen Kinder als Thema quasi nicht vor. Jetzt ist es eher umgekehrt, bei Frische Fische scherzen zuweilen die Kollegen ohne Kinder, dass sie sich als „Minderheit“ fühlen (lacht).

    Wie verlief deine bisherige berufliche Laufbahn?

    Ich habe zunächst ganz klassisch eine Ausbildung zur Werbekauffrau in einer Werbeagentur gemacht, 2001 beendet und anschließend Anzeigen für einen Stadtillustrierten-Service verkauft. Dann hatte ich das Glück, mit einem Stipendium ein Jahr nach Barcelona zu gehen und in einer Produktionsfirma für Festival- und Konzertorganisation zu arbeiten.

    Zurück in Deutschland war ich bei einer Eventagentur für Booking und Bandmanagement zuständig. Später habe ich mich selbstständig gemacht und habe zu 50 Prozent Projektmanagement in einer Werbeagentur gemacht und zu 50 Prozent Anzeigenverkauf für Gesellschafts- und Modemagazine. Besonders spannend war in der Zeit, beim Bundespresseball als Bühnenmanagerin zu arbeiten. Im Anschluss bekam ich ein Angebot einer Filmproduktionsfirma und habe zwei Jahre lang die Postproduktion geleitet.

    Was hat Dich zur Fortbildung als Social-Media-Managerin im FrauenComputerZentrumBerlin gebracht?

    In meinem letzten Job wurde nach meiner Schwangerschaft der befristete Vertrag nicht verlängert, weshalb ich erst einmal arbeitssuchend war. Ursprünglich suchte ich einen Kurs, der mich vorrangig im Grafikbereich weiterbringt, weil das vorher in meinem Arbeitsfeld öfter mal gefragt war.

    Nach einem Beratungsgespräch im FrauenComputerZentrum ergab sich aber, dass der Kurs Content- und Social-Media-Managerin (CSMM) insgesamt viel besser zu mir passte – Social Media erschien mir auch zukunftsträchtiger. Und ich fand den Praxisbezug des Kurses gut.

    Schwierig war es dann, die Arbeitsagentur in einem Motivationsschreiben davon zu überzeugen, dass sie mich ein halbes Jahr lang fördert. Ich habe die Kompetenz und große Praxisbezogenheit der Dozentinnen herausgestellt und auch mit Zahlen argumentiert: Ich habe dargestellt, wie viele Jobangebote es in Berlin in dem Bereich Social Media gibt. Ich hatte so richtig Lust auf die Fortbildung und konnte das dann wohl mit genügend Nachdruck ausdrücken.

    Was hat Dir die Fortbildung gebracht? Was fandest Du besonders hilfreich im Kurs?

    Das eigene Kiezprojekt in einer Website zu durchdenken und umzusetzen war eine gute Vorbereitung für das Abschlussprojekt. Denn beim ersten Mal hab ich mich zu viel mit Optik, Gestaltung und Struktur befasst und weniger über die Inhalte nachgedacht (lacht). Um so produktiver war ich dann für die reale Website – über meinen Künstleropi Karl-Erich Koch. Also, ich fand die Fortbildung super.

    Hast Du nach der Fortbildung schnell einen Job gefunden?

    Ich hatte einige Bewerbungsgespräche und Absagen. Teilweise wurden die Jobs wohl intern ausgeschrieben, zweimal war sicherlich meine Gehaltsvorstellung der Absagegrund. Eine Firma hatte mir für 40 Stunden 1.200 netto angeboten, obwohl ich berufserfahren bin und vorher mehr verdient hatte. Ansonsten erfährt man selten, was der Grund für eine Absage ist.

    Nach viereinhalb Monaten fand ich eine Anstellung in einem Unternehmen. Der Job ging jedoch nur zwei Monate, es wurde kurzfristig für ein Projekt Unterstützung im Online-Projektmanagement benötigt; trotz der kurzen Zeit habe ich bei dem Relaunch der Website für Reporter ohne Grenzen einiges an Erfahrungen und Kenntnissen mitnehmen können.

    Danach kam ich zu Frische Fische und bin jetzt sehr zufrieden. Ich habe ein nettes und sehr kollegiales Umfeld. Es gibt vernünftige Rückmeldungen seitens des Chefs und ich erhalte viel Unterstützung. Es herrscht zeitliche Flexibilität beim Arbeiten und große gegenseitige Wertschätzung füreinander.

    Was bedeutet Dir „Karriere machen“ und „erfolgreich sein“?

    Der Leitsatz aus meinem Elternhaus „Was Dich nicht umbringt, macht Dich härter“, hat mich zu lange bestimmt und meine Arbeitshaltung entsprechend geprägt. Früher als Projektmanagerin habe ich ca. fünfzig Stunden die Woche gearbeitet – so wie es in der Agenturbranche üblich ist, ich hab mich nicht geschont. Damals habe ich nie genau darauf geachtet, wie viele Stunden ich eigentlich gearbeitet habe. Heute bin ich eine große Freundin von Zeiterfassungssystemen, zum eigenen Schutz, damit man einen vernünftigen Zeitrahmen einhält.

    Sechzig Stunden die Woche arbeiten – das möchte ich auf keinen Fall mehr. „Karriere machen“ ist mir nicht mehr so wichtig im Leben – ich bin nicht allein mein Job. Ich hatte ja schon leitende Positionen, aber wenn es einer Firma mal schlecht geht, wird auch der große Arbeitseinsatz nicht wertgeschätzt, und man kann trotzdem diejenige sein, die gekündigt wird.

    Erfolg haben ist für mich, zusammen an einem Großen und Ganzen zu arbeiten und gemeinsam ein gutes Ergebnis zu erzielen; wenn ich meine Arbeit gut und schnell erledigt habe und der Kunde mit seinem Auftrag zufrieden ist.

    Was würdest Du Deinen Nachfolgerinnen in der Social-Media-Fortbildung am FCZB raten?

    Sie sollten im Bekanntenkreis nach echten Fallbeispielen suchen und diese im Unterricht einbeziehen, also unbedingt anhand der Praxis üben. Das ist greifbarer, als wenn man sich ein Unternehmen oder eine Institution bloß ausdenkt. Die Teilnehmerinnen sollten sich als Teil eines neuen Netzwerkes betrachten, durch das man während des Kurses und später Unterstützung erfährt. In meinem Kurs waren viele tolle Frauen mit ganz unterschiedlichen Kenntnissen und Erfahrungen.

    Und ich empfehle, das zu beherzigen, was die Dozentinnen immer sagten, dass man mit anderen Menschen darüber spricht, was man gerade macht – vor allem zum Kursende hin. Dass andere davon erfahren, was man gerade beruflich tut und wonach man jobmäßig sucht, damit es dann weitergetragen wird. Zum Schluss brodelte es in unserem Kurs geradezu: „Ja, die Firma Soundso sucht gerade was und das Unternehmen XY braucht einen Social-Media-Manager …“

    Die Frauen sollten sich nicht erst in Bewegung setzen, wenn alles, was sie machen, perfekt fertig ist, sondern schon während des Kurses loslegen. Agenturen und Firmen sind ja auch nie perfekt, was ihr Bild in der Öffentlichkeit angeht – und sie bekommen dennoch neue Aufträge rein. (lacht) Und: wir Frauen sollten nicht immer so selbstkritisch und perfektionistisch sein!

    ————————–

    Dr. Karin Windt, Inhaberin der Agentur webgewandt.de, hat das Interview geführt. Die unabhängige Dozentin und Beraterin für Suchmaschinenoptimierung und Social Media Marketing arbeitet als freie Dozentin im FCZB und unterrichtet dort Online Public Relations, Social Media Management und Onlinemarketing sowie Suchmaschinenoptimierung (SEO).

     

    Topics: 30 Jahre FCZB, Arbeitswelt & Weiterbildung, Social Media | 1 Kommentar »

    Ein Kommentar to “Nicht erst loslegen, wenn alles perfekt ist: Social Media als Berufsfeld”

    1. Fortbildung Content- und Social Media-Managerin – Start 17. November FrauenComputerZentrumBerlin e.V. (FCZB) : ZtG – Blog meint:
      30.Oktober 2014 at 12:28

      […] In unserem Blog blog.fczub.de berichtet eine ehemalige Teilnehmerin der Fortbildung in einem Gastbeitrag  sehr anschaulich über das vielfältige Tätigkeitsfeld für Content und Social Media […]

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