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  • Seit 1984 setzt das FrauenComputerZentrumBerlin e.V. auf berufliche Bildung von Frauen und Mädchen.

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    Die Anfänge des FrauenComputerZentrum Berlin

    Von Gast | 15. Oktober 2014

    Als Journalistinnen haben Suzanne Seeland und ich (Claudia Strauven) 1983 die Hörfunk-Reihe „Der Computer ist immer dabei“ für den Sender Freies Berlin (heute RBB) konzipiert. Die Beiträge für die Sendungen wurden damals noch auf der Schreibmaschine verfasst, und die diversen Tippfehler mit Tipp-Ex übermalt. Die wenigsten besaßen einen eigenen Computer. In der Berufswelt sah das allerdings anders aus, dort hatte der massenhafte Einzug bereits begonnen.

    Rundfunkrat_strauve_450nDie frühen 80er-Jahre waren ja sowohl von einer Computer-Euphorie als auch von diversen Schreckensvisionen geprägt: Da saß die Sekretärin an ihrem Schreibtisch und lackierte sich genüsslich die Nägel, während der Computer ihrer Arbeit ganz nebenbei erledigte.
    Da belegten aber auch Hochrechnungen ein immenses Rationalisierungspotenzial, Millionen Arbeitsplätze standen angeblich in Krankenhäusern, Büros, Werkshallen und Banken zur Disposition.

    Segen oder Fluch, Werkzeug oder Jobkiller? – das waren die Stichworte, die wir mit der Sendereihe beleuchten wollten. Inhaltlicher Schwerpunkt waren die typischen Arbeitsplätze für Frauen in Fabriken, Supermärkten, Krankenhäusern, Büros und Banken. Die Mehrheit der Frauen interessierte sich überhaupt nicht für die neuen Technologien, obwohl ihre Berufswelt ganz eindeutig davon betroffen war.

    Im November 1983 wurde die Sendereihe ausgestrahlt. Eine Woche lang haben die ZEITPUNKTE, das frauenpolitische Magazin des SFB, von Montag bis Freitag 55 Minuten lang die damalige Situation beleuchtet.
    Wir haben über die KUNERTWERKE berichtet, die damals Strumpfhosen in Berlin herstellten und Strickerinnen durch Maschinen ersetzen.

    Wir haben ein RECHENZENTRUM vorgestellt, das Kleider-, Jacken – oder Mantelschnitte automatisch in die verschiedenen Größen wie 38 oder 40 verwandelt und so Arbeitsplätze von Schnittmacherinnen vernichtete. Wir haben mit KRANKENSCHWESTERN über computergestützte Geräte in der Medizin gesprochen, und erfahren, dass die vermehrte Technik zunehmend Männer lockte und einen Verdrängungsprozess in Gang setzte.

    Wir haben das BÜRO 2000 vorgestellt, eine computergestützte Zukunftsvision, die 2,5 Millionen Arbeitsplätze fast ausschließlich von Frauen kosten würde. Wir haben mit KASSIERERINNEN über die neuen Scanner-Kassen gesprochen, die gekoppelt mit dem Zentralcomputer des Supermarktes oder Kaufhauses u.a. Arbeitsgeschwindigkeit, Fehler oder Pausen der Mitarbeiterinnen registrieren würden.

    Und wir haben ein Modellvorhaben ELEKTRONISCHE HEIMARBEIT vorgestellt, dass sich bevorzugt an Mütter richtete, die so Berufstätigkeit und Kindererziehung besser kombinieren sollten.

    Am Ende der Sendewoche war natürlich klar, die technologische Entwicklung beinhaltet beides: Segen und Fluch. Aber sie erzeugt auch Angst – besonders bei Frauen, weil die Mehrheit keinerlei Grundkenntnisse besaß, die Computern meist rundum ablehnte.

    Diese Erkenntnis brachte uns dann auf die Idee, spezielle Kurse für Frauen zu entwickeln, um ihnen die Angst zu nehmen und die Möglichkeiten des Werkzeugs „Computer“ zu vermitteln. Damals war die Computertechnik fest in Männerhand. „Technikfreaks“ dominierten entsprechende Kurse, sowohl als Dozenten als auch als Teilnehmer.

    In England und den USA gab es bereits frauenspezifische Konzepte, auf die wir zurückgreifen konnten. Und so haben wir dann Mitstreiterinnen gesucht, Strategien und Finanzierungsmöglichkeiten diskutiert und mit Erfolg Anträge formuliert. Die erste Maßnahme wurde vom Berliner Frauenbund 1945 e.V. beantragt und vom Berliner Senat finanziell gefördert. Der Kurs hieß „Keine Angst vor dem Computer“, der zweite „Frauen, ran an die Technik“.

    Topics: 30 Jahre FCZB, Arbeitswelt & Weiterbildung | Kein Kommentar »

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