FCZBlog

« | Home | »

Brauchen wir noch ein FRAUENcomputerzentrum?

Von Redaktion | 22. Oktober 2014

Nadine Köhne, Teilnehmerin des diesjährigen CSMM-Kurses im FrauenComputerZentrumBerlin, beschäftigt sich mit der Frage, wie sich ein Kursangebot allein für Frauen rechtfertigen lässt. 


CSMM

Nach gut vier Monaten Fortbildung am FCZB zur Content- und Social-Media-Managerin (CSMM) kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich sehr froh bin, an diesem Ort, in dieser Atmosphäre unterrichtet zu werden. Ich bin nicht zuletzt froh, weil mir die vermittelten Inhalte zusagen und ich fähige Dozentinnen und nette Kommilitoninnen habe.

Trotz meines persönlichen Glücks mit dieser Fortbildung hat sich für mich die Frage gestellt, ob es auch gerechtfertigt ist, ein solches Programm allein für Frauen anzubieten. Als vor 30 Jahren das FCZB ins Leben gerufen wurde und das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, gab es kaum Frauen, die sich in Sachen Computer und Internet auskannten. Eine Institution einzurichten, die diesem Frauenmangel Abhilfe verschafft, war entsprechend sinnvoll. Nur, ist das heutzutage immer noch so? Brauchen wir nach wie vor ein Frauencomputerzentrum?

Frauen im FCZB: Was sie werden und was nicht!

In der IT-Branche sind Frauen heute wie damals unterrepräsentiert: Laut Bitkom war in Deutschland im März lediglich ein Frauenanteil von rund 14 Prozent zu verzeichnen. Daher ist eine spezielle Förderung von Frauen im IT-Bereich durchaus begründet. Allerdings ist das Programm des FCZB eher nicht darauf ausgerichtet, ebendiese problematische Quote der technischen Branche zu verbessern. Beim FCZB wird niemand zur IT-Spezialistin; dort werden weder Informatikerinnen noch Programmiererinnen ausgebildet. Stattdessen kann frau am FCZB IT-Basiskenntnisse erwerben oder, wie in meinem Kurs, sich zur CSMM weiterbilden lassen.

IT-Branche, Public Relations und CSMM

Insbesondere letzteres wirft aber womöglich Fragen auf: „Content- und Social-Media-Management? Das ist doch im Wesentlichen Online-PR. Und PR-Frauen haben wir wahrlich schon genug!“, werden wohl einige denken. Nun, zu wenige Frauen in der PR haben wir tatsächlich momentan nicht: Die Studie Er Kapitän, sie Crew? von Patricia Schiel und Dustin Pawlitzek aus dem Jahre 2012 zeigt, dass Frauen in diesem Bereich entschieden in der Mehrzahl sind, wenngleich (noch) nicht in den Chefetagen. Auch die Online-PR bildet diesbezüglich keine Ausnahme.

Aber ist Content- und Social-Media-Management in seinen Grundzügen deckungsgleich mit Online-PR? Jein! Obschon in den meisten Unternehmen die CSMM zur PR-Abteilung zählen, bietet ihnen ihr technisches Grundverständnis außerdem die Möglichkeit, an der Schnittstelle von PR und Technik zu vermitteln. Zudem steht die Bezeichnung „Managerin“ nicht umsonst im Titel. Der Schwerpunkt liegt also auf dem Konzipieren von Strategien und nicht auf dem Ausführen derselben.

Mir liegen nun zwar keine entsprechenden Erhebungen vor, ich vermute aber, dass sich trotz der genannten Unterschiede der Frauenanteil im Content- und Social-Media-Management sehen lassen kann. Ich glaube allerdings auch, dass dies für die Frage, ob das Programm des FCZB noch zeitgemäß und vor allem gerechtfertigt ist, unerheblich ist.

Gute Chancen durch die Fortbildung

Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass Frauen in unserer Gesellschaft gegenüber Männern beruflich erheblich im Nachteil sind. Frauen müssen schließlich nach wie vor besser ausgebildet sein als Männer, um an ähnliche Positionen zu kommen –  sogar in der frauendominerten PR-Branche. Sie haben es schwerer, Führungspositionen zu erlangen. Sie werden häufig wesentlich schlechter bezahlt. Sie müssen sich zwischen Familie und Beruf entscheiden; denn ein Kind bedeutet für Frauen oftmals den Ruin der Karriere. Eine spezielle Unterstützung, um Frauen eine berufliche Perspektive zu geben, ist daher allemal gerechtfertigt, ganz gleich, ob die Branche, in der sie diese finden, männerdominiert ist oder nicht.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Fortbildung gegenüber anderen liegt in ihrer Anschlussfähigkeit an unsere Vorkenntnisse. Zumindest in meinem Kurs sitzen ja keine „unbeschriebenen Blätter“. Wir sind eine Truppe sehr gut ausgebildeter Frauen, nicht wenige unter uns sind Kunstschaffende oder Geistes-, Kultur- und Sprachwissenschaftlerinnen. Und die Chancen, als CSMM einen Arbeitsplatz zu finden, stehen für uns nicht schlecht. Nicht nur die Bedeutung sozialer Netzdienste wächst stetig, sondern ebenso der Bedarf an Personen, die damit professionell umzugehen vermögen: Wir sind jetzt bald genau diese Profis. Zeitgemäßer geht es eigentlich gar nicht. Danke FCZB!

Nadine Köhne

Weitere Informationen
Er Kapitän, sie Crew? Schiel, Patricia und Pawlitzek, Dustin (2012): Eine empirische Studie zur Feminisierung der PR in Deutschland, Westfälische Hochschule für Journalismus und Public Relations.
Bitkom Studie, 27. März 2014

 

Topics: 30 Jahre FCZB, Arbeitswelt & Weiterbildung, Kreativwirtschaft, Social Media | Kein Kommentar »

Kommentare