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    Berufsalltag online: Arbeiten im Netz

    Von Katrin Schwahlen | 5. August 2014

    Sie ist freie Journalistin, Mitarbeiterin für PR und Öffentlichkeitsarbeit, bloggt für ein Medienprojekt und betreibt ehrenamtlich ein Wissenschaftsladen. Vier Projekte, vier Teams, vier unterschiedliche Anforderungen an Kommunikation und gemeinsames Arbeiten. FCZB-Autorin Katrin Schwahlen beschreibt, wie sie das unter einen digitalen Hut bekommt.
    schreibtisch

    My Home ist my Office

    Montag, 9.00 Uhr
    Freiberuflich arbeiten bedeutet flexibel zu sein. Zeitlich ebenso wie ortsunabhängig. Das bedeutet gute Organisation und Koordination. Von Terminen, Kontakten und Daten. Deswegen steht am Wochenanfang der Plan: Welche Projektschritte stehen an? Wann muss ich mit wem telefonieren? Was ist zu schreiben? Wo findet die nächste Konferenz statt? Wie tauschen wir die Daten aus?

    Auch wenn der häusliche Schreibtisch mein Arbeitsmittelpunkt ist, will ich unterwegs arbeiten können. Kein Problem mit Laptop und Handy. Denn für kurze schriftliche Notizen, Tonaufnahmen und Bilder reicht das Iphone (oder ein anderes Smartphone) aus. Recherchieren in der U-Bahn oder im Café ist kein Problem, wenn man eine Flatrate oder W-Lan hat.

    Arbeitsgruppentermine legen wir normalerweise über Doodle fest. Termine aussuchen, Uhrzeiten festlegen, Teilnehmer_innen einladen. Fertig. Jetzt müssen sich die anderen nur noch eintragen, und auf einen Blick erkennt man, wann der beste Termin ist. Das kostenlose Programm läuft unter allen Browsern und als App, ist sehr einfach zu bedienen und bietet sogar die Möglichkeit, Umfragen zu erstellen.

    Jetzt geht es um Inhalte. Für den kommenden Monat haben wir eine Veranstaltung auf dem Tempelhofer Feld geplant. Unter dem Motto „Wissen schafft Kultur“ wollen wir Künstler_innen einladen, die mit Publikum ein Theaterstück aufführen, ein Science Slam ist geplant, wir brauchen Strom, Getränke und gute Pressearbeit. Wir, die Macherinnen, arbeiten tagsüber an verschiedenen Orten, haben selten gemeinsam Zeit und nutzen deswegen Google Drive. Ja, Google ist ein Datenkrake. Leider mit verlockenden Angeboten: In den Excel-Dateien, die wir – jede für sich, aber auch zeitgleich gemeinsam – mit Kontakten, Terminen und Aufgaben füllen. So sind wir alle auf demselben Informationsstand – und das in Echtzeit. Die eine speichert Bilder ab, die die andere für die Pressemappe bearbeitet und im Blog online stellt. Und hier können auch die Slammer_innen ihre Folien für den Open-Air-Wettbewerb ablegen – natürlich in einem gesonderten Ordner. Voraussetzung für Google-Drive ist ein Google-Konto. Automatische Durchsuchung aller Nachrichten zu Werbe-, Marketing- und Überwachungszwecken inklusive.

    republica02

    Tauschgeschäfte: Virtuelle Zusammenarbeit

    Dienstag, 19.00 Uhr
    Zeit fürs nächste Projekt. Ehrenamtlich natürlich und nach Feierabend. Wir sind ein Verbund von Wissenschaftsläden, organisieren Wissenskonferenzen, betreiben eine Website und geben einen Newsletter heraus. In Berlin treffe ich mich mit meiner Kollegin im Büro, wo wir ganz klassisch arbeiten: Unsere Schreibtische stehen sich gegenüber, wir schauen uns in die Augen und kritzeln beim Brainstorming gemeinsam auf einem Papier herum.

    Auf der überregionalen Ebene läuft die Kommunikation über E-Mail, Blog und Onlinekonferenz. Hier ist es wie im „richtigen“ Leben, man braucht eine Person, die sich für die Organisation und Verwaltung den Hut aufsetzt, die Technik prüft, Zugangsdaten verschickt, Diskussionspapiere vorbereitet und Protokoll schreibt. Dazu nutzen wir das kostenlose Onlinekonferenztool Bigbluebutton. Wie bei Skype können sich die Mitmacher_innen in einem kleinen Monitor sehen, wer gerade das Vortragsrecht hat, stellt seine Dateien den anderen über den Monitor zur Verfügung, im Chatroom kann zeitgleich kommentiert werden.

    Für den reinen Informationsaustausch finde ich Onlinekonferenzen prima. Doch eine richtig kreative Atmosphäre ist bisher noch nicht aufgekommen. Das mag an der manchmal wackligen Technik liegen, vielleicht aber auch daran, dass man die anderen immer nur vereinzelt auf vielen kleinen Bildschirmen sieht. Letztendlich sitze ich doch allein an meinem Schreibtisch – und fühle mich beobachtet.

    wolken

    Über den Wolken: Informationen in und aus der Cloud

    Mittwoch, 14.30 Uhr
    Zwei Mal in der Woche arbeite ich in der Redaktion meines zweiten Auftraggebers. Aus Sicherheitsgründen ist dort die Nutzung von Dropbox und anderen Cloud-Programmen nicht erlaubt. Man könne sonst nicht kontrollieren, wo welche Daten liegen, ob versehentlich Daten freigegeben und personenbezogene Daten weitergegeben würden.

    Also bringe ich die Texte und Bilder, die ich vorbereitet habe, auf dem USB-Stick mit. Dabei ist es sehr praktisch, dass das Textverarbeitungsprogramm Open Office, mit dem ich zu Hause arbeite, auch von Word gelesen werden kann. Und umgekehrt. Natürlich könnte ich die Dateien auch per Mail verschicken. Das wird nur schwierig, wenn Bilder in hoher Auflösung dabei sind. Dann geht mancher Server etwas in die Knie oder die interne Firewall erlaubt keine Bilder, die mehr als 2 MB Speicherplatz brauchen.

    Eine weitere Möglichkeit für speicherintensive Dateien sind Cloud-Programme wie WE-Transfer, Vimeo u.a.. Damit kann ich bis zu zwei Gigabyte große Dateien unkompliziert, kostenlos und ohne Anmeldung in der Cloud speichern. Die Empfänger_innen (bis zu 20 gleichzeitig) werden automatisch per Mail informiert und haben zwei Wochen Zeit, die Dateien runterzuladen. Nachteil: fehlende Verschlüsselungsmöglichkeiten.

    Eine andere Möglichkeit, mit mehreren Leuten gleichzeitig in einem Projekt zu arbeiten, ist ein Wiki. Funktioniert auf jedem internetfähigen Rechner und mit jedem Betriebssystem. Das bekannteste Wiki ist die Wikipedia, bei der viele Autoren (und nur wenige Autorinnen) online Texte verfassen und ändern. Wikis haben ein hehres Ziel, nämlich kollektive Intelligenz zu bündeln und kollaborativ zu arbeiten.

    Meine Erfahrung zeigt mir allerdings, dass Wikis nur dann und über einen längeren Zeitraum funktionieren, wenn sie sehr gut und übersichtlich strukturiert sind, sich alle an die verabredeten Regeln halten und sich kurz fassen. Sonst hat man ganz schnell ein grottiges Sammelsurium von inaktuellen, verschachtelten und unwichtigen Informationen.

    republica

    Social hier und social da: Von sozialen Netzwerken und virtuellen Profilen

    Donnerstag, 12.00 Uhr
    Wir alle googlen Personen, die wir beruflich kennen oder kennen lernen wollen. Manchmal kann ich auf vorhandene Kontakte zurückgreifen, manchmal recherchiere ich bei Xing, Linkedin und anderen Berufsportalen; ich schaue die Websites von Interviewpartner_innen an, lese bei Facebook mit und versuche mir ein Bild zu machen. Als Journalistin brauche ich Hintergrundinformationen und Fakten.

    Und so funktioniert es auch umgekehrt: Andere wollen wissen, was ich mache, für wen ich schreibe, welche Haltung oder Meinung ich habe. Das, was man über mich im Netz finden kann, ist meine Online-Reputation. Ich kann zwar nicht beeinflussen, was andere über mich schreiben, aber ich kann die Informationen über mich preisgeben, die mir beruflich wichtig sind.

    Das heißt: Vor jedem Facebook-Post frage ich mich, ob ich das auch in der Öffentlichkeit sagen würde, ob ich in zehn Monaten oder zwei Jahren noch dazu stehen kann. Ich versuche, sehr bewusst zwischen meinem Privatleben (das geht virtuell niemanden etwas an) und mir als beruflicher Person zu unterscheiden. Kommt es besser, wenn ich vom Stau in der Bahn twittere oder über den Erfolg einer journalistischen Initiative. Als Profi will ich für mich werben: mit einer guten Website, interessanten Beiträgen auf eigenen und fremden Blogs, mit einem aussagekräftigen Profil auf Berufsportalen.

    Dazu gehört auch das alte virtuelle Motto: erst geben, dann nehmen. Wenn ich also gute Links habe, für Journalist_innen beispielweise oder rund um die Wissenschaft, dann teile ich gerne. Zum Beispiel über Social Bookmarking wie Diigo. Oder auch bei Facebook. Vor allem in geschlossenen Gruppen kann man sich über viele berufliche Dinge austauschen und sich gegenseitig unterstützen.

    Safer Work: Ich mach’s mit

    buero_onlineFreitag, 17.00 Uhr
    Freitags ist gerne mal Offline-Verwaltung angesagt. Interviews, die ich mit dem iPhone aufgenommen habe, lasse ich durch eine (kostenlose) Spracherkennungssoftware transkribieren. Das erspart mir eine Menge des Abtippens. Zugegeben: Bei genuschelten Wörtern, lauten Hintergrundgeräuschen oder sonstigen Undeutlichkeiten erfindet die Software interessante verbale Neuschöpfungen. Aber das kennen wir ja schon von der T9-Funktion unseres Handys, oder?

    In Photoshop versehe ich alle Fotos, die ich in dieser Woche gemacht habe, mit Autorin- und Copyright-Vermerk. Fotos, die ich für Blogbeiträge brauche, verkleinere ich auf die entsprechenden Maße und in Webauflösung. Auch das geht ganz einfach mit den sogenannten Aktionen des Bildbearbeitungsprogramms.

    Im Excel-Timesheet trage ich alle geleisteten Arbeitsstunden für meine Projekte ein – damit ich endlich Honorarabrechnungen schreiben kann. Brav habe ich die ganze Woche lang Quittungen gesammelt. Alle beruflichen Ausgaben (und Einnahmen) wandern jetzt ins Buchhaltungsprogramm. Das erleichtert die elektronische Umsatzsteuererklärung, die ich jedes Quartal machen muss, ungemein. Ein Klick – und die Daten sind bereit, ans Finanzamt übertragen zu werden.

    Was bleibt noch zu tun? Daten sichern zum Beispiel. Hier nutze ich den klassischen Weg des manuellen Datenabgleichs. Natürlich könnte ich alle meine Daten in die Cloud packen. Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich wenigstens das oberflächliche Gefühl haben möchte, selbst zu entscheiden, wann und wohin ich speichere. Sicher ein trügerisches Gefühl, aber ich entscheide mich für Freiheit statt Unsicherheit. Das Ende naht.

    Freitag, 18.30 Uhr. Das Wochenende kann kommen.

    Im FrauenComputerZentrumBerlin e.V. (FCZB) beginnt
    am 25. August die modulare Fortbildung
    BERUFSALLTAG ONLINE – ARBEITEN IM NETZ
    Mehr Informationen gibt es auf der Website

     

    Topics: Arbeitswelt & Weiterbildung, Kreativwirtschaft | 1 Kommentar »

    Ein Kommentar to “Berufsalltag online: Arbeiten im Netz”

    1. Christian meint:
      20.Juni 2015 at 13:37

      Sehr informationsreiches Forum!
      Ich kann diese Tipps sehr gut gebrauchen, da ich mich selbst auch vor kurzem im Internetmarketing Bereich selbstständig gemacht habe 🙂
      LG Christian

    Kommentare