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  • Seit 1984 setzt das FrauenComputerZentrumBerlin e.V. auf berufliche Bildung von Frauen und Mädchen.

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    30 Jahre FrauenComputerZentrumBerlin (FCZB)

    Von duscha | 2. März 2014

    schleife

    Die Anfänge

    Im Jahr 1984 initiierten Renate Wielpütz und andere Feministinnen der Berliner Frauenbewegung die damals bundesweit erste IT-Fortbildung speziell für Frauen: Die Teilzeit-Fortbildung „Keine Angst vor Computern“. Das FrauenComputerZentrumBerlin war geboren. In den vergangenen 30 Jahren hat diese Fortbildung – die heute den Namen „IT-Know-how für den Wiedereinstieg“ trägt, insgesamt mehr als 1.000 Frauen eine Rückkehr in den Beruf ermöglicht.

    Das FCZB war Vorreiterin in der IT-Schulung von Frauen, setzte früher als andere auf Gleichstellung, interkulturelle Kompetenz, Vielfalt und Integration. Auf dieser Basis hat das FCZB sich selbst weiterentwickelt, sein Team diversifiziert und erfolgreich dazu beigetragen, dass  Frauen mit unterschiedlicher Bildung, aus vielen Kulturen und mit verschiedenen sozialen und familiären Hintergründen ihre beruflichen Perspektiven erweitern konnten.

    Bevor es aber dazu kommen konnte, mussten erst einmal Grundlagen geschaffen werden. In den 1980er -Jahren gab es tatsächlich keine weiblichen DV-Dozentinnen auf dem Arbeitsmarkt. Um diese Lücke zu füllen und in den eigenen Fortbildungen Role Models einsetzen zu können, qualifizierte das FCZB in den ersten Jahren kurzerhand sein Personal selbst. Und es tat etwas, das später zu einem seiner Erfolgsrezepte werden sollte: Es entwickelte und transferierte den innovativen Qualifizierungsansatz zur Fortbildung von DV-Dozentinnen i.R. einer europäischen Projektpartnerschaft.

    Mit damaliger und heutiger Unterstützung der Frauen-Abteilung des Berliner Senats,  Mitteln aus Europa und diverser Bundesministerien konnte das FCZB sein Profil als innovative Einrichtung der beruflichen Bildung entwickeln und Anfang des neuen Jahrtausends auf eine Organisationsstärke von über 20 festen und zahlreichen freien Mitarbeiterinnen ausbauen.

    Lernende Organisation FCZB ganz am Anfang

    Lernende Organisation FCZB ganz am Anfang

    Profil innovative Weiterbildungseinrichtung für Frauen

    Die Kombination von IT-Know-how, Gender und gleichstellungspolitischer Expertise, das  Arbeiten mit einem biografischen, konstruktivistischem Lernansatz, zielgruppenorientierte Lernsettings, Empowerment und die engagierte, Empathie-getragene Beratung und Begleitung von Lernerinnen wurde zum Markenzeichen der Organisation. Diese besondere Qualität hebt das FCZB bis heute von  anderen IT-Weiterbildungsträgern ab.

    In diversen Modellprojekten wie dem „Selbstlernzentrum-IT“ und aktuell „Perspektive 2.0 – Kritische Medienkompetenzen in der beruflichen Bildung“ entwickelt das FCZB innovative didaktische Konzepte für die Förderung selbstorganisierten Lernens und die Begleitung von Lern- und beruflichen Übergangsprozessen.

    Für seine herausragende pädagogische Arbeit wurden Fortbildungsprojekte des FCZB mehrfach ausgezeichnet. So erhielt beispielsweise das Projekt „Medienkompetenzen und Work-Life-Balance für Frauen mit Behinderungen aufgrund von Krebserkrankungen“ 2007 den mit 10.000 € dotierten ersten Preis des Wettbewerbs „Wege ins Netz“ der Stiftung Digitale Chancen. Mit diesem zielgruppenspezifischen, flexiblen Blended-Learning-Konzept hat das FCZB neue Standards in der beruflichen Weiterbildung gesetzt. Bis heute erhielten hunderte von Frauen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine berufliche Neuorientierung und Qualifizierung, mittels derer sie sich neue berufliche Wege erschließen konnten.

    Ausweitung des Aktionsradius: Auch Organisationen müssen lernen

    IT-Fortbildung zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen für Frauen bildete die ersten 15 Jahre den Schwerpunkt des FCZB-Kerngeschäftes. Dann verbreiterten sich die Aktivitäten mit der Annahme des „gleichstellungspolitischen Doppelansatzes“. Neben „positive Aktionen“ zugunsten der Behebung von Benachteiligungen und Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft trat der Ansatz des Gender Mainstreaming. Das FCZB-Team förderte nun nicht mehr nur die Weiterbildung von Frauen durch zukunftsweisende IT-Schnittstellenqualifizierungen, auch Strukturen und Kulturen von Institutionen und Unternehmen wurden Interventionsfelder, um Veränderungen zu erwirken.

    Unter der Leitung der Geschäftsführerin Renate Wielpütz profilierte sich das FCZB regional und auf europäischer Ebene als gefragte Partnerin in größeren Netzwerkverbünden. Oft genug haben wir diese selbst initiiert und gesteuert – die „Europäische Datenbank für Frauen in Führungspositionen“, die EQUAL Entwicklungspartnerschaft „Berlin Divercity“, das IDA-Projekt „Transnational Empowerment“ und das XENOS-Projekt „OASIS“ sind nur einige Beispiele.

    Organisations- und Personalentwicklung, die Beratung und Begleitung von gender- und diversity-orientierten Veränderungsprozessen wurde ein zweites Geschäftsfeld des FCZB. In über 15 Projekten und mehr als zehn Jahren der Kooperation mit relevanten Institutionen und Trägern entstand eine einmalige Expertise im Bereich der Begleitung von Veränderungsprozessen zur Reformierung des Systems der beruflichen Bildung und Rehabilitation im Strafvollzug – v.a.  im Berliner Justizvollzug.

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    Strategien für heute und morgen

    Das FCZB hat sich stets als lernende Organisation verstanden. Strategisch und mit seinen Angeboten hat es sich immer daran orientiert, wo auf dem Arbeitsmarkt und im Bereich der beruflichen Bildung ein besonders großer Handlungsbedarf zur Realisierung der Gleichstellung von Frauen und Männern sichtbar wurde. In den vergangenen Jahren bestimmten v.a. drei Entwicklungen die Angebotsentwicklung:
    1.  die Durchsetzung einer flexibilisierten Dienstleistungsgesellschaft auf Basis einer neoliberalen Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik, die  eine wachsende soziale Spaltung der Gesellschaft in Kauf nimmt und viele Frauen in prekäre Arbeitsverhältnisse oder Langzeiterwerbslosigkeit treibt
    2. der demographische Wandel und ein spürbarer Fachkräftebedarf in diversen Wirtschaftsbranchen,  gepaart mit integrations- und bildungspolitischen Versäumnissen zur Qualifizierung junger Menschen, v.a. Frauen mit Migrationshintergrund
    3. gesellschaftliche Umbrüche durch globale Vernetzung und Kommunikation über das Internet und mobile Endgeräte,  die rasante Verbreitung der sozialen Medien. Diese bergen gleichzeitig das Potenzial für mehr Partizipation und für eine Verschärfung der digitalen Spaltung der Gesellschaft.

    Entsprechend dieser Herausforderungen richten sich  aktuelle und zukünftige Qualifizierungsangebote einerseits darauf,  Zielgruppen, denen droht, medial abgehängt zu werden, den Erwerb kritischer Social-Media-Kompetenzen zu ermöglichen. Andererseits werden neue pädagogische Ansätze, Beratungs- und Begleitangebote entwickelt, die besonders Frauen, die mit gravierenden sozialen, sprachlichen, gesundheitlichen o.a. Beeinträchtigungen zu kämpfen haben, schrittweise Wege aus der Erwerbslosigkeit eröffnen. Frauen, die  im Berufsleben stehen, werden in die Lage versetzt, neuen Qualifikationsanforderungen gerecht zu werden oder berufliche Aufstiegschancen zu nutzen.

    Neuland betrat das FCZB vor wenigen Jahren mit der Ausweitung seiner Aktivitäten auf dem Feld der Berufseinstiegsbegleitung – sowohl an der Schwelle zwischen Schule und Ausbildung als auch an der zwischen Ausbildung/Studium und Beruf.  Junge Frauen, v.a. solche mit Migratonshintergrund und erheblichen Schwierigkeiten, beruflich Fuß zu fassen, stehen im Fokus der Berufseinstiegsbegleitung, etwa in den Projekten „ARCA“ und „Berufsziel Hotellerie“.

    Während Medienkompetenz-Vermittlung hier z.T. nur peripher eine Bedeutung hat, gewinnen Erfahrung und Expertise in der Begleitung individueller beruflicher Orientierungs-, Lern- und Übergangsprozesse an Bedeutung.  Aktivitäten reichen von vorbereitenden Beratungs- und Lernangeboten zur Aufnahme einer passenden Ausbildung über Organisation von Mentoring zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen bis zu Orientierungs- und Coaching-Angeboten für die Aufnahme eines ausbildungs- oder berufsbegleitenden  Studiums im Gesundheits- und Pflegebereich.

    Auch in den Berufseinstiegsprojekten arbeitet das FCZB-Team zweigleisig – sowohl mit den Berufseinsteigerinnen als auch mit dem Bildungs- oder Ausbildungspersonal, dem Personalmanagement  und der Unternehmensführung.

    Der Organisation beschert das Engagement im Bereich Berufseinstieg Teilnehmerinnen, die das Durchschnittsalter kräftig senken. Diese Verjüngungskur ist ziemlich erfreulich an so einem  30. Geburtstag.

    Topics: 30 Jahre FCZB, Feminismus, Organisations- und Personalentwicklung, Wiedereinstieg | 1 Kommentar »

    Ein Kommentar to “30 Jahre FrauenComputerZentrumBerlin (FCZB)”

    1. Willi Dukart meint:
      15.April 2014 at 21:03

      Klasse!
      Sehr gelungene Beitrag. Besonders Strategien für heute und morgen sind für mich interessant.

      Ich wünsche Ihnen weiterhin erfolgreiche Jahre!

      Mit freundlichen Grüßen,

      Willi Dukart, IT-Weiterbildung.com

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