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Von Bienchen und Blümchen – oder wie war das noch mal mit dem Kinderkriegen?

Von Katrin Schwahlen | 3. Dezember 2013

Kinder. Das war für mich bisher ein Produkt von Frau und Mann. Nachdem ich den Report Geburtentrends und Familiensituation Deutschland 2012 gelesen habe, bin ich mir jetzt nicht mehr sicher, ob das tatsächlich stimmt. Denn das Statistische Bundesamt, der Herausgeber, nimmt allein die Frauen unter die Lupe, wenn es ums Kinderkriegen geht.

Schon das Titelbild des bundesstatistischen Reports macht deutlich, dass man das Thema Kinderkriegen nur einem Geschlecht zuschreibt. Richtig, dem weiblichen. Da steht die Frau im weißen Kleid (Hochzeit? Unschuld?) vor der Schultafel, die suggeriert, frau denke über Baby nach. Natürlich voller Liebe – lässt  uns das Kreideherzchen wissen.

Eigentlich nichts Neues: Wenn Deutschland sich über sein drohendes Aussterben beklagt, dann sind es meist die Frauen, vor allem die jungen und akademischen, die schuld an der Misere sind. Wollen sie doch einfach keine Kinder kriegen.

Und dann das böse Erwachen: Die deutsche Geburtenrate ist dramatisch gesunken. Seit 1964. Von rund 1,4 Millionen auf 673.500. Wen wunderts wirklich? 1964, das ist 19 Jahre nach dem Krieg. Das Wirtschaftswunder hat voll zugeschlagen, Vollbeschäftigung ist der Hit, und Frauen sind noch sehr mit Kinder, Küche und Kirche beschäftigt.

2012 ist die Generation Praktikum im kinderkriegfähigen Alter. Vor dem ersten Kinderschreien müssen die zukünftigen Eltern erstmal sehen, selbst über die finanziellen Runden zu kommen.

Kinder oder keine bestimme ich alleine?

Gucken wir uns mal die sogenannte Kinderlosenquote an, also die Zahl der Frauen in einer bestimmten Altersgruppe, keine Kinder haben. Bei der Pressekonferenz des Bundesamtes Anfang November, so ist es nachzulesen, wurde besonders die Gruppe der 40- bis 44-jährigen Frauen hervorgehoben, also die Frauen, die zwischen 1968 und 1972 geboren wurden. Aufgeregt werden die Medien anschließend titeln: „Jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren ist kinderlos“, „Immer mehr Frauen in Deutschland ohne Kinder“, „Kinderlosigkeit in Deutschland nimmt zu“ oder gar „Jede fünfte Frau ist kinderlos“,.

Ja, sie haben recht. Jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 ist kinderlos. Das heißt im Umkehrschluss: vier von fünf Frauen oder 78 Prozent dieser Altersgruppe haben Kinder. Das hört sich schon ganz anders an, nicht wahr? Weniger aufgeregt, weniger bedrohlich.

Auch beim Durchschnittsalter schrillen die Zeitungen lauter es als nottut: 29 Jahre ist die unverheiratete Frau bei der ersten Geburt. Dieser Wert liegt ein Jahr unter dem europäischen Durchschnitt.

Bei der Betrachtung der durchschnittlichen Kinderzahl ist sogar ein Anstieg zu verzeichnen: 2012 bekommt eine Frau 1,38 Kinder – rein statistisch gesehen  und damit 0,2 mehr als im Vorjahr. Ach so, und die Zahl der Geburten, so der einleitende Satz der Studie, wird in den kommenden sieben Jahren stabil bleiben.

Und was ist mit den Männern? Die sind ja zu 50 Prozent am Kindermachen beteiligt. Die letzte repräsentative Studie „Wie Männer leben“ ist  knapp zehn Jahre alt. Wie wäre es, (potenzielle) Väter genauso statistisch unter die Lupe zu nehmen wie (potenzielle) Mütter? Dann klappts vielleicht mit einer realistischen Grundlage für den Report zur Geburtentrends und Familiensituation. Und  unverheiratete Mütter über 30 mit Hochschulabschluss müssen nicht mehr allein die Verantwortung für den Untergang des deutschen Abendlandes tragen.

Links

Geburtentrends und Familiensituation Deutschland 2012. Statistisches Bundesamt

Männer leben – Basisbericht (2001), Vertiefungsbericht (2004) Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Topics: Arbeitswelt & Weiterbildung, Bildung & Politik | 1 Kommentar »

Ein Kommentar to “Von Bienchen und Blümchen – oder wie war das noch mal mit dem Kinderkriegen?”

  1. Lisa meint:
    8.Dezember 2013 at 19:56

    och nee….
    „…Kinder. Das war für mich bisher ein Produkt von Frau und Mann.“
    Na ja, ein Wissens-update schadet nicht, vielleicht führt Dein Weg ja über das Statistische Bundesamt.

    Im Jahr 2013 hab zumindest ich keine Lust mehr auf Heterosexismus durch ein Frauenprojekt. Oder ist das Diskriminierung aufgrund von gender und nicht von sex? Egal.

    Herzliche Grüße
    Lisa

Kommentare