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21 Wochen IT-Know-how – Katharina zieht Bilanz

Von Gast | 26. Juni 2013


Den Laptop gibt's hier auch, die Pose nicht ... ©Katharina Jacobsen

©Katharina Jacobsen, Development Department

 

Gastbeitrag von Katharina Jacobsen

Von Frauen und Computern
Einundzwanzig Wochen –  „IT-Know-how für den Wiedereinstieg“- Eine Bilanz

8:15 h
U6, noch zwei Stationen bis Friedrichstraße, Berufsverkehr, Eile, Enge.
Im Galopp die Treppen hoch – Rolltreppe dauerdefekt – und ab in die S-Bahn Richtung Ostkreuz. Gerade noch geschafft, durchgeatmet und das Script des FCZB gezückt. Outlook, Word, Excel, Web 2.0, Access, HTML, Power Point. Mein Nachbar linst diskret. Ob der das alles kann?

Ab und zu ein Blick durchs Fenster: Barbie Dreamhouse am Alex, Kater Holzig an der Jannowitzbrücke, neues Parkhaus an der O2-Arena. Warschauer Straße raus und in die Ameisenkolonne über die Fußgängerbrücke eingereiht, zur U1 über die Oberbaumbrücke bis Schlesisches Tor, ein Stück Kreuzberg durchquert, in die ruhige Cuvrystraße eingebogen und bis zum letzten Haus am Fluss gelaufen. Bei Schnee, Eis, Regen, Nebel, Wind und manchmal auch bei Sonne.

Fünf Tage in der Woche, fünf Monate lang bin ich auf diese Weise – einer Rohrpostnachricht gleich – durch die halbe Stadt expediert worden, um im 4. Stock des FrauenComputerZentrumsBerlin e.V. „Herrschaftswissen“ über Computernutzung zu erwerben. Manchmal bin ich dabei so tief in virtuellen Pfaden versunken, dass ich darüber die Zeit vergessen habe. Manchmal habe ich mir auch die Zähne an der Materie ausgebissen oder bin mir wie die Dompteuse einer Gruppe wilder Tiere vorgekommen.

Diese subjektive Sicht mag erstaunen angesichts des Umstands, dass es sich bei Computerprogrammen um streng formalisierte Festlegungen und Konventionen handelt, die nach logischen Kriterien funktionieren und daher unbestechlich und überhaupt nicht wild sind. Dieses begreiflich gemacht zu haben ist der Verdienst der Trainerinnen im FCZB, ihr Ansatz bei aller Unterschiedlichkeit des jeweiligen Fachgebietes immer gleich:  Transparenz statt Panik. Uns wurde die beruhigende Sicherheit vermittelt, dass sich für jeden Fehler eine plausible und damit meist behebbare Ursache ermitteln lässt. Und die Kompetenz, die Ursachen zu erkennen. Zudem war auch keine Frage zu nichtig, als dass nicht eine Antwort darauf erteilt worden wäre, kein Problem zu gering, um es nicht der Klärung wert zu erachten. Denn im Wesentlichen ging es vor allem um die unermüdliche, sachorientierte Weitergabe und Verfügbarmachung von Wissen zur jeweils positivsten Verwendung durch jede Teilnehmerin.

Viele „dunkle Flecken“ auf der Landkarte digitaler Anwendung der Kursteilnehmerinnen haben sich im Lauf der Monate aufgehellt. Manches konnte angesichts der kurzen begrenzten Zeit natürlich nur ankoloriert werden. Da mir die graphischen Gestaltungsmöglichkeiten sehr viel Spaß gemacht haben, könnte ich mir vorstellen, mich mit Programmen der Bildbearbeitung intensiver zu beschäftigen.

Als besondere Bereicherung habe ich das Zusammentreffen und den Austausch mit Frauen von anderem kulturellen Hintergrund empfunden. Durch das gemeinsame Lernen trat das Verbindende in den Vordergrund. Interessant war auch, die unterschiedlichen Methoden und Herangehensweisen der anderen Kursteilnehmerinnen bei der Anvisierung ihres Ziels zu beobachten. Es half, die eigene Fixierung zu relativieren. Durch gegenseitiges Erklären wurde der Stoff zusätzlich vertieft, so manche zuvor unerkannte Unklarheit wurde auf diese Weise aufgedeckt.

Eine mögliche Zielsetzung des Kurses war die Verbesserung meiner Chancen auf einen Job, sei es auf Grund des erworbenen Wissens, sei es auf Grund der Zunahme meines Selbstbewusstseins oder durch den Abbau der von mir selbst als Mangel empfundenen Unkenntnis im Bereich der Office-Anwendungen. Durch die „flankierenden Maßnahmen“ des Bewerbungstrainings konnten erste Eindrücke der „Realität“ des Arbeitsmarktes erworben werden, die ich für den Tag X gespeichert habe. Der im Kurs verfolgte gesamtheitliche Ansatz stellte für mich die bestmögliche Förderung dar. So wurde für den Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht nur Wissen vermittelt, sondern die spezifische Lebensrealität der Frauen einbezogen.

Der große Digitalscreen auf der Fußgängerbrücke Warschauer Straße wirbt für ein Konzert von „Iron Maiden“ im Juni in der O2-Arena. „IT-Know-how für den Wiedereinstieg“ – intern auch KA 59 genannt – ist dann vorbei.
Ich werde das Haus am Fluss vermissen.

 

Topics: Arbeitswelt & Weiterbildung, Wer lernt hier eigentlich? | 1 Kommentar »

Ein Kommentar to “21 Wochen IT-Know-how – Katharina zieht Bilanz”

  1. Melina meint:
    8.Juli 2013 at 17:52

    Toller Gastbeitrag, Dich und den netten KA Kurs vermisse ich schon jetzt.
    Beste Grüße von Melina

Kommentare