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    „In der Speisekammer verhungern“ – Beruflicher Einstieg schwergemacht

    Von Redaktion | 16. August 2012

    Viele gut ausgebildete Akademiker/innen, vor allem aus den geisteswissenschaftlichen Studiengängen, stehen nach dem Abschluss zunächst orientierungs- und schließlich auch arbeitslos da. Um eben jene Phase des Übergangs dreht sich das Projekt „Ida – Integration durch Austausch, Transnational Empowerment“, in dem Akademiker/innen dabei begleitet wurden, ein Praktikum im europäischen Ausland zu absolvieren. Das Modellprogramm neigt sich dem Ende zu, heute haben wir im FCZB eine Ergebnis- bzw. Transferveranstaltung ausgerichtet.

    Die Auswertung zeigte deutlich, dass es sich bei den problematischen Übergangsituationen um ein strukturelles Phänomen handelt. Für das Evaluationsteam trug Ortfried Schäffter, Institut für Erwachsenenbildung, HU Berlin, die Ergebnisse vor. Er verglich die Situation der Absolventen/innen mit dem bekannten Holzlabyrinth-Spiel und sprach von einer „gezielten strukturellen Verführung, ins Loch zu fallen“. Eben in jenes Loch, das entsteht, wenn kein Studium mit Berufsstand, wie Medizin, Jura oder Lehramt, gewählt wurde, sondern eines, das die Absolventen/innen in eine Multioptionslage versetzt, wie es beispielsweise Politologie, Kunstgeschichte oder Germanistik tun.

    Mit dem Studienabschluss kommen die Absolventen/innen in eine ungeklärte Ausgangslage, die in eine ungeklärte Zielsituation führt. Der vom Ethnologen Victor Turner geprägte Begriff der Liminalität umschreibt den Zustand passend: Ein gefährlicher Schwellenzustand, ein „betwixt and between“, ein losgelöst Sein aus bestehenden Sozialstrukturen. Diese Orientierungslosigkeit entsteht zwangsläufig, da das eigene, individualisierte Berufsprofil noch gefunden und selbst geschaffen werden muss.

    Damit die Ex-Studis nicht vor lauter Möglichkeiten, welchen beruflichen Weg sie denn nun einschlagen sollen, „in der Speisekammer verhungern“, ist Reflexion und Erprobung der Kompetenzen notwendig. Hier ist auch die zentrale Funktion des Praktikums angesiedelt, denn durch die Distanz zum Alltag kann die Perspektive gewechselt werden und die „zielorientierte Suchbewegung“ beginnen. Mit Erfolg: Sechs Monate nach dem Auslandspraktikum hat die Mehrheit der Teilnehmerinnen eine adäquate, existenzsichernde Arbeit gefunden. Da auch die bundesweiten Ida-Projekte sehr erfolgreich waren, hoffen wir, dass auch in Zukunft transnationale Projekte finanziell gut ausgestattet werden.

     

    Topics: Arbeitswelt & Weiterbildung, Bildung & Politik | 2 Kommentare »

    2 Kommentare to “„In der Speisekammer verhungern“ – Beruflicher Einstieg schwergemacht”

    1. Rosa meint:
      23.August 2012 at 18:30

      liebe Alexandra,
      vielen herzlichen Dank für den informativen Beitrag. Leider konnte ich an der Veranstaltung im FCZB nicht teilnehmen. Aber vielleicht kann ich auf ida.fczb.eu/ergebnisse demnächst „nachlesen“, z.B. den Beitrag des Evaluatiosteams?
      Viele Grüße
      Rosa

    2. Alexandra Deak meint:
      27.August 2012 at 09:01

      Liebe Rosa, ein Ergebnisprotokoll wird leider nicht erstellt werden, allerdings ist geplant, das Handout des Evaluationsteams und ggf. weitere Materialien demnächst als Download bereit zu stellen. Herzliche Grüße, Alexandra

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