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Von Moorhühnern und weißen Mystery-Eiern

Von Redaktion | 27. Januar 2010

Gerüchten zufolge spielen wesentlich mehr Frauen als Männer Farmville – das beliebteste Online-Spiel, das bei dem Social Network Facebook gespielt werden kann.

Der Witz von Farmville besteht unter anderem darin, dass es ein Social Game in fast wörtlichstem Sinne ist. Fortschritte machen kann man dort nur, wer mit seinen Nachbar/innen gute Kontakte pflegt, ihnen beim Betreiben ihrer Farm hilft und ab und zu ein tollpatschiges Rentier, das die Nachbarin herrenlos herumirren sieht, auf die eigene Farm adoptiert. Oder wer anderen ein weißes Mystery-Ei ins Nest legt. Wer bei Farmville keine Freund/innen hat, muss sich den Erfolg und Aufstieg der eigenen Farm mit Cash kaufen. Geld oder Liebe eben oder Geld statt Liebe, wie im richtigen Leben.

Männer, so lautet ein Parallelgerücht, spielten lieber Spiele wie Moorhuhn. Um virtuelle Hühner abzuknallen, braucht man weder Geld noch Freund/innen. Das legendäre Moorhuhn gibt es selbstverständlich auch als iPhone-App, da kann man den Hühnern dann archaisch und mit den eigenen Fingerspitzen die Gurgel umdrehn.

Noch mehr Gerüchte: Haben Männer ein Blackberry, ein iPhone oder ein anderes Internet-taugliches Smartphone, checken Sie Börsenkurse damit und lesen Newsmeldungen. Frauen haben erstens seltener ein iPhone und nutzen es zweitens am häufigsten, um sich bei ihrem Social Network einzuloggen und z.B. Farmville zu spielen.

Kein Gerücht, sondern Statistik ist, dass Frauen immer noch 23% weniger verdienen als Männer. Das kann man bedauern, bekämpfen, ablehnen und beschissen finden. Manchmal fragt man sich aber doch auch nach der Zwangsläufigkeit von Ursache und Wirkung. Würden Frauen mehr verdienen, wenn sie auf Moorhühner schössen anstatt die Tomaten Ihrer Nachbar/innen zu ernten? Oder würden sie, wenn sie mehr verdienten, zwangläufig anfangen, auf Moorhühner zu schießen?

Die Sehnsucht des Menschen nach Beibehaltung der etablierten Verhältnisse ist – gerüchteweise geschlechtsübergreifend – enorm. Sonst hätten die Millionen von Second-Life-Spieler/innen, die gegen Mitte des vergangenen Jahrzehnts bei Second Life unterwegs waren (und die, die es noch sind), dort eine neue Welt geschaffen, anstatt einfach nur die vorhandene nachzubauen. In der Hoffnung, es dort zu den Erfolgen zu bringen, die die erste Welt ihnen vorenthielt. Keine Veränderung der Welt, sondern nur eine Verbesserung der eigenen Situation darin – das war die Vision der spielenden Menschheit von einem neuen Leben.

Wie Frauen im First Life mit Chuzpe, Fleiß und großer Klappe die 23% real dahinschmelzen lassen könnten, lässt sich z.B. in dem Blog-Post A Rant About Women des amerikanischen Publizisten Clay Shirky nachlesen. Geld ist nämlich nicht umsonst zu haben und weniger social und mehr tote Moorhühner könnten der Preis fürs Geld sein – wäre das schlimm?

Ach ja, und am 26.3.10 ist EqualPayDay.

Topics: Bildung & Politik, Feminismus | Kein Kommentar »

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