FCZBlog

« | Home | »

Carrotmob und die Importshop Berlin

Von Redaktion | 4. November 2009

Web2.0 ist etwas, was online geschieht. Vernetzung ist etwas, was offline und/oder online passieren kann. So hat Obama seinen Wahlkampf nicht nur deswegen gewonnen, weil er via Social Media online so viele Menschen mobilieren konnte. Er hat ihn auch deswegen gewonnen, weil die vielen mobilisierten Menschen dann von Haustür zu Haustür gezogen sind und die Mobilisierung offline fortgesetzt haben.

Off- oder Online kann eine Form der Mobilisierung stattfinden, die sich Carrotmob nennt. Carrotmob ist gezielter und mobilisierter Konsum und das Gegenteil von Boykott. Erinnern Sie sich? Seit zig Jahren sollten wir Nestlé boykottieren, bis wir schon gar nicht mehr wussten, warum eigentlich. Oder der Boykott gegen den Ölkonzern Shell – ja, das war die Geschichte mit der Brent Spar, dieser Bohrinsel, die mit enormen Umweltfolgen im Meer versenkt werden sollte. Also haben wir alle – ich vor allem, die ich kein Auto besitze und nie besessen habe – voller Tatendrang Shell. Dass andere Konzerne wie Aral, Esso, Elf gleichfalls über Bohrinseln verfügen und diese auch nicht anders entsorgen als Shell, hat uns damals nicht wirklich angefochten. Irgendwo mussten wir ja anfangen.

Carrotmob fängt auch irgendwo an, aber in positiver Umkehrung: Kauft dort, wo Gutes für den Klimaschutz getan wird. Unterstützt mit eurem Einkauf Geschäfte, die bereit sind, einen Teil ihres Umsatzes in einen energieeffizienten Umbau ihres Ladens zu investieren. Wenn ein Carrotmob geplant wird, können sich Geschäfte mit Konzepte und Zusagen für klimaschützende Umbaumaßnahmen bewerben. Wer den Zuschlag erhält, wird fortan mit Werbetrommel und Networking, Mund-zu-Mund-Propaganda on- und offline unterstützt. Kaufaufforderung statt Boykottaufforderung.

Und hier nun mein Mini-Carrotmob: In Berlin findet nächste Woche von Mittwoch bis Sonntag (11.-15.11.) auf dem Messegelände die Importshop statt, eine Messe nach dem Prinzip globaler Markt lokaler Waren. Hersteller und Händler von Handwerk und Kunsthandwerk aus aller Welt stellen Ethno- und Naturprodukte aus und zum Verkauf. Es gibt dort viel Gelegenheit bei kleineren Handwerks- oder Handelsunternehmen und Projekten viel Gutes zu kaufen und damit Gutes – oder wenigstens nichts Schlechtes zu tun. Die Öffnungszeiten sind von Mittwoch bis Sonntag 10-19 Uhr, am Freitag und Samstag bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 10 Euro und die Messe ist eine echte Alternative zu allen Weihnachtsmärkten, die jetzt über uns hinweggehen werden – das Thema Geschenke lässt sich dort schon weitgehend erledigen.

PS: Warum wir Nestlé in den 80er-Jahren boykottierten: Es war wegen des von Nestlé in Afrika umsonst verteilten Milchpulvers bzw. Babynahrungspulver , das die Frauen, die dann nicht mehr stillten erstens von Nestlé abhängig machte. Zweitens führte dies zu einer erhöhten Kindersterblichkeit durch das verschmutzte Wasser, mit dem Milchpulver angerührt wurde. Drittens stieg die Geburtenrate, das Stillen als Verhütungsmittel zwar nicht zuverlässig, aber doch wirksam ist. Zum Boykott wurde erstmals 1977 von einer Koalition verschiedener Organistionen („Infant Formula Action Coalition“, INFACT) aufgerufen, 1984 wurde der Boykott eingestellt, weil Nestlé zusagte, sich an einen internationalen Regelcodex für Babynahrung zu halten. 1988 wurde offenbar, dass Nestlé die eigenen Auflagen nicht erfüllte und der Boykott erneut gestartet wurde. Mein persönlicher Carrotmob: Andechser.

Topics: Bildung & Politik, Community Kultur, Gut zu wissen | Kein Kommentar »

Kommentare